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#GoodWifeFarewell: Einige Gedanken zum Serienfinale von „The Good Wife“

Das Finale der Serie „The Good Wife“ hat gemischte Reaktionen hervorgerufen. Ich selbst fand die Folge stimmig, insbesondere mit Blick auf die Serie insgesamt, und habe hier mal ein paar Gründe dafür aufgeschrieben.

The Good Wife

In den USA lief am Sonntagabend das Finale der Serie The Good Wife. Die Folge insgesamt, insbesondere aber deren Ende stießen auf sehr unterschiedliche Reaktionen – von Euphorie bis hin zu Enttäuschung, nachzulesen u.a. bei Twitter unter dem Hashtag #GoodWifeFarewell. Ein Beispiel für kritische Töne ist Maureen Ryan, Fernsehkritikerin für die Zeitschrift Variety, die ihren gemischten Gefühlen über die Abschlusssequenz in diesem Artikel Ausdruck gegeben hat: ‘The Good Wife’ Finale Review: Alicia Revisits Her Past, Faces Ambiguous Future.

Auch wenn ich Maureen Ryans häufig zustimme – in diesem Fall sehe ich einiges von dem, was sie schreibt, anders. Ich fand das Staffelfinale, einschließlich der letzten Sequenz, sehr stimmig für eine Serie, die es ihrer Hauptfigur und den Fans nie leicht gemacht hat.

(Vorsicht: Es folgen Spoiler!)

Zugegeben, ich musste die Folge zunächst einen Moment sacken lassen, bevor ich zu diesem Schluss kam. Denn das Ende war auch für mich ziemlich überraschend. Wie wahrscheinlich die meisten Zuschauerinnen und Zuschauer hatte ich gedacht, dass Alicia auf ein Happy End mit Ermittler Jason zusteuert. Anders als viele andere war ich von dieser Aussicht allerdings nicht begeistert. Je mehr es in der Folge um Alicia und ihre Männer ging – wobei ich mich über den Gastauftritt von Josh Charles alias Will Gardener wirklich gefreut habe – desto mehr hatte ich das Gefühl, dass sie ihr Leben weder mit ihrem Noch-Ehemann Peter noch mit Jason verbringen sollte. Dass Jason nicht auf sie wartete, nachdem sie sich endgültig von Peter abgewendet hatte, und sie am Schluss tatsächlich allein war, fand ich für die Figur insgesamt stimmiger.

Ebenso überraschend, aber dennoch passend fand ich den letzten Knalleffekt der Serie: Eine Ohrfeige, die Alicia ausgerechnet von ihrer langjährigen Kollegin und Mentorin Diane bekommen hat und die einen Verweis auf die allererste Folge der Serie darstellt, in der Alicia selbst ihren untreuen Mann Peter geohrfeigt hat. Maureen Ryan kritisiert diese Szene u.a. aus einer feministischen Perspektive: „To have the final scene of the show depict one accomplished, complicated woman striking another accomplished, complicated woman is tiresome at best and reductive and regressive at worst. […] A scene of two women fighting over a man has to be some kind of reverse-Bechdel Test fail […].“

Auch diesem Kritikpunkt kann ich nicht folgen. Zum einen glaube ich nicht, dass diese eine Szene zerstören kann, wie großartig sämtliche Frauenfiguren in der Serie in den insgesamt sieben Staffeln entwickelt wurden. Zum anderen hat Diane Alicia aus meiner Sicht nicht wegen eines Mannes geschlagen, auch wenn der Anlass ein Verhalten Alicias war, welches Dianes Ehe mit ihrem Mann Kurt wahrscheinlich den Todesstoß versetzt hat. Für mich hat Diane Alicia geschlagen, weil Alicia sie hintergangen und für ihre eigenen Interessen geopfert hat. Sie hat einer Entscheidung Dianes als Anwältin von Peter nicht vertraut und anstatt sie zu feuern, wie Diane es selbst vorgeschlagen hat, hat Alicia hinter Dianes Rücken Lucca eingespannt, um Kurt vor Gericht zu demontieren und damit die Chancen zu erhöhen, ihren Mann Peter vor einer Verurteilung retten zu können. Für mich war Dianes Reaktion auch kein „Catfight“, wie Maureen Ryan es ausdrückt; es gab kein Kreischen, kein Haareziehen, keine Beschimpfungen. Es war eine einzige Ohrfeige, ein Schlag, mit dem Diane ihre Verletzung und Verachtung für Alicia in diesem Moment ausgedrückt und zugleich ihre langjährige Partnerschaft beendet hat.

In einem offenen Brief an die Fans der Serie, welcher nach Ausstrahlung des Finales veröffentlicht wurde, erläutern Robert und Michelle King, die die Serie gemeinsam entwickelt und produziert haben, den Hintergrund für die Ohrfeige. Sie wollten zeigen, wie Alicia sich im Laufe der Serie entwickelt hat, nämlich von einer Frau, die von einem anderen Menschen so verletzt worden ist, dass sie ihm deshalb eine Ohrfeige gibt, zu einer Frau, die selbst einem anderen Menschen einen Anlass gibt, sie zu ohrfeigen: „She would slap someone who victimized her at the beginning of the series; and she would be slapped by someone she „victimized“ at the end. In this way, the victim would become the victimizer. This is the education of Alicia Florrick.“

Ich finde das deshalb so stimmig, weil für mich gerade diese Entwicklung in der Figur Alicia so spannend war. Alicia Florrick war keine strahlende Heldin, sie war nicht immer gut, sie hatte Brüche und sie hat es einem stellenweise schwer gemacht, sie zu mögen. Dass ich dennoch bis zum Schluss auf der Seite von Alicia war, lag für mich insbesondere daran, dass ihr Verhalten jeweils erklärt wurde und dass der Mensch Alicia hinter der Fassade der toughen Anwältin immer wieder durchschimmern durfte. Eine der besten Szenen in der siebten Staffel war für mich deshalb Alicias Zusammenbruch vor Lucca in Folge 13, Judged, als Alicia die Fassade schlicht nicht mehr aufrecht erhalten konnte.

Auch wenn das Ende sicherlich der meistdiskutierte Aspekt dieses Serienfinales sein wird, gibt es für mich noch einige weitere Dinge, die ich erwähnenswert finde:

  • Ich fand es gut, dass Cary als Dozent an der Uni anscheinend eine neue, passende Aufgabe für sich gefunden hat. Auch wenn er mir eigentlich nie wirklich sympathisch war, vor allem während der für mich absolut nicht nachvollziehbaren Beziehung mit Kalinda, ist es schön, dass die Serie wenigstens für eine der Figuren, die von Anfang an dabei waren, eher optimistisch endet.
  • Wer mir sehr ans Herz gewachsen ist, auch wenn sie nur eine Staffel dabei war, ist die Figur Lucca Quinn. Sie wird mir fehlen. Die Forderungen nach einem Spin-Off für Lucca, die man in den vergangenen Wochen teilweise auf Twitter lesen konnte, kann ich daher nur unterstützen.
  • Ich fand es schön, dass zwei der wichtigsten Sets der Serie – die Kanzleiräume und Alicias Wohnung – noch einmal so in den Fokus gerückt wurden. Ich musste leicht schlucken, als die leeren Kanzleiräume Hintergrund für die Titelsequenz wurden, weil es für mich noch einmal ein deutliches Signal dafür war, dass hier etwas zu Ende geht. Was Alicias Wohnung angeht, da hatte ich irgendwann den Gedanken, dass sie sich, statt zu entscheiden, zu welchem Mann sie in die Wohnung zurückkehren möchte, besser eine neue Wohnung suchen sollte – ohne Mann. (Ja, ja, das schrieb ich bereits. Aber ernsthaft, ich fand immer, dass Alicia eine deutlich bessere Chemie mit Kalinda oder auch Lucca hatte als mit den Männern in ihrem Leben, vielleicht mit Ausnahme von Will. Eine WG mit Lucca – das wäre doch was.)
  • Was ich ebenfalls sehr passend fand war, dass der Fokus der letzten Folge noch einmal auf einem Gerichtsverfahren lag. Die Prozesse waren immer ein wichtiger Aspekt der Serie und ein wirkliches Highlight. (Und ich glaube, dass da nicht nur die Juristin in mir spricht.)
  • Last but not least: Alicias Zukunft. Mir gefällt die Idee, dass Alicia doch wieder in die Politik zurückkehrt. In der Kanzlei dürfte sie keine Zukunft haben und dass sie Wahlen gewinnen kann, hat man bereits gesehen.

Nun heißt es also, Abschied zu nehmen von The Good Wife. In Deutschland wurde die erste Folge der Serie im März 2010 bei ProSieben ausgestrahlt und ich weiß noch, dass ich sie mir damals anschaute und sofort begeistert war. Diese Begeisterung ist geblieben und im Laufe der Zeit sogar gewachsen. Nach über sechs Jahren und 156 Folgen fällt der Abschied daher entsprechend schwer. Immerhin habe ich das Glück, dass ich vom Staffelfinale nicht enttäuscht bin und die Serie ingesamt in guter Erinnerung behalten kann.

Hoffentlich nehmen viele Serienverantwortliche The Good Wife als Beispiel dafür, wie man Serien mit komplexen Figuren, insbesondere auch Frauenfiguren, in einem nicht weniger komplexen Berufsfeld spannend erzählen kann. Es wäre ein tolles Vermächtnis für eine großartige Serie.

Autor/in: Meike

Bloggerin, Serienguckerin, Ellen DeGeneres-Fan, Wahl-Hamburgerin und noch einiges mehr. Hier schreibe ich regelmäßig über irgendwas mit Medien, vor allem Serien.

6 Kommentare

  1. Ich habe das Staffelfinale eben erst gesehen, da ich die Serie erst letztes Jahr für mich entdeckt und dann verschlungen habe. Ich kann mich allen Punkten anschließen, allerdings fand ich, war es ein schreckliches Ende. Absolut passend zur Figur und Entwicklung – und als die Vorstellungen des Nachhausekommens abliefeb, dachte ich beim dritten Mal, dass die Küche sicher leer bliebe, hatte ich Will doch schon abgehakt – und ganz allgemein hätte es nicht anders sein dürfen. Aber furchtbar und unbefriedigend auf emotionaler, ja sogar menschlicher Ebene. Aber Alicia ist auch keine Figur, die es anderen Recht macht oder den Anspruch hat, perfekt zu sein. Von daher absolut stimmig. Auf unbefriedigende Weise und daher so ambivalent wie sie selbst ist. Eine großartige Serie war das. Seufz.
    Danke für dein Review!
    Viele Grüße,

    die Naehbastelkochtante

    • Vielen Dank für deinen Kommentar, liebe Naehbastelkochtante. 🙂

      Ich freue mich, dass immer mehr Leute diese großartige Serie entdecken. Falls du es noch nicht gehört hast: Seit Februar läuft in den USA eine Spinoff-Serie, „The Good Fight“, die auch sehr gute Kritiken bekommt. Damit wird mein Wunsch aus dem Beitrag tatsächlich wahr, denn Lucca Quinn ist eine der Hauptfiguren, zusammen mit Diane. Leider ist die Serie bei uns noch nicht verfügbar, ich bin da etwas ungeduldig. Wenn ich sie endlich sehen konnte, werde ich bestimmt auch darüber schreiben.

      • Wobei ich Kurts Charakter nie so eingeschätzt habe, wie er am Ende dargestellt wurde. Das hat mich enttäuscht und er ist auch kein Typ für eine Affäre hinter Dianes Rücken. Er war immer klar und gerade heraus und das haben die Macher vernachlässigt bzw ignoriert. Auch Carys Entscheidung war nicht unbedingt passend zum Ende hin. Dafür hat er die Jahre zuvor zu sehr um seine Position gekämpft – mit Leidenschaft. Aber genug dem Dinge, ich freue mich auf das Spinoff 🙂

        Liebe Grüße,
        die Nähbastelkochtante

  2. Auch ich habe das Staffelfinale gerade eben erst gesehen und mich gefreut, dass du einen Beitrag dazu geschrieben hast. Gerade nach solch einem Ende finde ich es schön nochmal über die einzelnen Szenen der letzten folge nachzudenken und zu überlegen, was diese eigentlich mit der ganzen Serie zu tun hatten. Also vielen dank dafür! 🙂 Es war wirklich eine tolle Serie und ich finde die Ohrfeigen Szene am Ende auch stimmig, wenn man die Entwicklung von Alicia innerhalb der ganzen Serie betrachtet.
    Hoffentlich ist „the good fight“ bald bei und verfügbar! Bin gespannt, was aus Diane geworden ist!
    Liebe Grüße!!

    • Vielen Dank für den Kommentar. Mir ging es ähnlich wie dir, ich konnte und wollte nach dem Finale erst einmal nicht loslassen, sondern musste meine Gedanken ein bisschen sortieren. So ist letztlich der Artikel entstanden. 🙂

      Ich habe inzwischen ein paar Ausschnitte aus „The Good Fight“ gesehen, die schon ziemlich großartig waren. Inzwischen wurde die Serie auch um eine zweite Staffel verlängert. Ich hoffe, dass das die Chancen steigert, dass sie auch bei uns bald verfügbar ist.

  3. Liebe Meike,
    ich habe die Serie zwei Mal gesehen und sie ist meine absolute Lieblingsserie. Schade, dass sie jetzt vorbei ist, aber die Serie ist meiner Meinung nach von Staffel zu Staffel besser, interessanter geworden, die Charaktere haben sich wahnsinnig entwickelt und mir war die Person Alicia Florrick nach einigen Folgen sehr sympathisch und wurde es mehr und mehr.

    Ich kann vielen deiner Punkte zustimmen. Cary war mir allerdings schnell sehr sympathisch. Und mein Lieblingspartner für Alicia wäre Finn Polmer gewesen, den ich wirklich äußerst liebenswert und lustig und empathisch fand!

    Leider fanden das wohl die Autoren nicht 😉 Somit bin ich auch mit diesem Ende glücklich – ein romantisches Ende mit Jason hätte ich „eklig“ gefunden und das braucht sie auch nicht. Man hat trotz des relativ offenes Ende Bilder im Kopf, wie es weitergehen könnte.

    Auf jeden Fall werde ich mir auch den Spin Off ansehen. Danke für den Hinweis!

    Liebe Grüße,
    Antje

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