Permalink

0

„Call the Midwife“, „Borgen“ und mehr: Serienempfehlungen zum Weltfrauentag

Heute ist der Internationale Frauentag, von einigen auch Frauenkampftag genannt. Weltweit wird jedes Jahr an diesem Tag daran erinnert, dass Frauen gegenüber Männern noch immer nicht vollständig gleichgestellt sind, dass sie weniger verdienen, geringere Aufstiegschancen haben, in einigen Teilen der Welt sogar immer noch nicht über dieselben Rechte verfügen wie Männer.

Auch in der Film- und Fernsehbranche kann von Gleichberechtigung von Mann und Frau und von der Gleichbehandlung der Geschlechter noch lange nicht die Rede sein. Vor und hinter der Kamera arbeiten mehr Männer als Frauen in verantwortlichen Positionen, häufig ist der männliche Blick ausschlaggebend dafür, was das Publikum auf der ganzen Welt auf Kinoleinwänden, Großbildfernsehern und sonstigen Bildschirmen zu sehen bekommt. Sowohl in Filmen als auch Serien sind Frauen noch allzu oft nur schmückendes Beiwerk, während der männliche Held die Handlung vorantreibt und die Welt rettet.

Es gibt aber zum Glück Ausnahmen, Filme und Serien also, in denen Frauen die Hauptfiguren, die Heldinnen sind – nicht immer strahlend, sondern auch mal tragisch, was jedoch nicht unbedingt schlecht sein muss. Aus Anlass des Weltfrauentages habe ich einige Serien ausgewählt, die ich insbesondere auch wegen ihrer interessanten Frauenfiguren schätze und daher gern weiterempfehlen möchte: Call the Midwife, Borgen, Orange Is the New Black, Agent Carter, Orphan Black und The Good Wife.

  • Call the Midwife (UK)

Die britische Serie Call the Midwife ist im Grunde DIE Frauenserie schlechthin, denn es geht um etwas spezifisch Weibliches: Schwangerschaft und Geburt.

Im Mittelpunkt von Call the Midwife steht eine Gruppe von Hebammen und Nonnen, die in einem verarmten Viertel von London Ende der 1950er bzw. Anfang der 1960er Jahre Geburtshilfe leisten und die häusliche Krankenpflege übernehmen. Die Serie basiert auf den gleichnamigen Memoiren einer britischen Krankenschwester, die in Großbritannien ein Beststeller wurden.

Auch wenn die Serie mit sehr viel Wärme erzählt wird und die Grundstimmung optimistisch ist, scheuen die Serienmacherinnen um Autorin Heidi Thomas und Produzentin Pippa Harris nicht vor ernsten Themen zurück. So werden Gewalt in der Ehe, Prostitution, Inzest, illegale Abtreibung und Alkoholismus behandelt, um nur einige zu nennen. Daneben gibt es aber auch immer wieder schöne, heitere Geschichten über Freundschaft und Liebe. Sogar die romantische Liebe zwischen Frauen wird thematisiert. In Staffel 4 erfahren die Zuschauerinnen und Zuschauer, dass Hebamme Patsy eine Beziehung mit der Krankenschwester Delia hat, die sie jedoch vor der Welt verbergen müssen.

Während Call the Midwife bei ZDFneo Ende letzten Jahres leider nur mit mäßigem Erfolg lief, ist die Serie in ihrer Heimat Großbritannien ein Hit. Das Finale der 5. Staffel, das am vergangenen Sonntag ausgestrahlt wurde, erzielte eine Traumquote und avancierte zur meistgesehenen BBC-Sendung des Jahres. Zum Glück gibt es die Serie bei uns aber auf DVD und bei verschiedenen VOD-Anbietern.

  • Borgen (Dänemark)

Borgen ist eine dänische Politikserie über die (fiktive) erste Ministerpräsidentin des Landes. Die Hauptfigur ist Birgitte Nyborg, eine erfahrene Politikerin, die nach einem unerwarteten Wahlerfolg Regierungschefin von Dänemark wird. In der ersten von insgesamt drei Staffeln der Serie geht es insbesondere darum, wie sie sich in dieser neuen Rolle zurechtfinden und dabei den Spagat zwischen Politik und Privatleben leisten muss, denn Birgitte ist verheiratet und hat zwei Kinder. Eine weitere wichtige Figur in Borgen ist die ambitionierte Journalistin Katrine Fønsmark, die für einen Fernsehsender u.a über die Politik der Regierung Nyborg berichtet. In der dritten Staffel wird Katrine zu Birgittes Beraterin und Vertrauten, als diese sich nach einer Auszeit um eine Rückkehr in die Politik bemüht.

Eine Serie über dänische Politik, kann das spannend sein? Ja, es kann, sehr sogar. Denn die politischen Themen, die behandelt werden, sind in der Regel nur die Anknüpfungspunkte für universellere Fragestellungen wie Machtgewinn, Machterhalt und Moral in der Politik. Vor allem im Zusammenhang mit der Figur Katrine werden daneben die mediale Darstellung von Politik sowie die Rolle der Medien in einer Demokratie thematisiert. Dabei werden die Figuren deutlich weniger intrigant und bösartig gezeichnet als beispielsweise in House of Cards. Birgittes Zerissenheit zwischen ihren politischen Ambitionen und ihren eigenen Wertmaßstäben, aber auch dem, was die Gesellschaft allgemein und ihre Familie im Besonderen von ihr als Frau, Ehefrau und Mutter erwarten, wird immer wieder deutlich und macht die Figur vielschichtig und interessant, aber auf eine sympathische und menschliche Art und Weise. Dabei lebt die Serie auch von der hervorragenden schauspielerischen Leistung von „Birgitte“ Sidse Babett Knudsen.

Borgen wurde in Deutschland u.a. auf arte und einsfestival ausgestrahlt, wird aktuell aber nicht wiederholt. Die Serie ist jedoch auf DVD verfügbar.

  • Orange Is the New Black (USA)

Über Orange Is the New Black (OITNB) habe ich schon mehrmals geschrieben, u.a. bei Rosalie & Co. („Serien-Tipp: Orange Is the New Black“). Ausgerechnet der VOD-Anbieter Netflix, ein relativer Neuling auf dem Serienmarkt, hat mit OITNB bewiesen, dass auch eine Serie, in der es im Schwerpunkt um Frauen geht, ein Publikum finden und erfolgreich sein kann – und das weltweit. Das Besondere an OITNB ist dabei die Vielfalt der Frauenfiguren. Die Insassinnen des Frauengefängnisses Litchfield stammen aus unterschiedlichen Altersgruppen, haben unterschiedliche Hautfarben und unterschiedliche sexuelle Orientierungen, sogar eine Transfrau ist unter ihnen. Dabei werden sie jedoch nicht als Stereotype dargestellt, sondern als vielschichtige Charaktere, mit denen man mitlachen und mitleiden und die man lieben oder hassen kann oder beides. Insbesondere „Crazy Eyes“ Suzanne macht es den Zuschauerinnen und Zuschauern nicht leicht, wenn sie einerseits verletzlich und liebebedürftig wie ein Welpe erscheint, andererseits eine Mitinsassin brutal zusammenschlägt. Diese Widersprüchlichkeit wird von Darstellerin Uzo Aduba so hervorragend gespielt, dass sie dafür zu Recht schon mehrere Preise gewonnen hat, u.a. einen Emmy.

OITNB kann man in Deutschland natürlich insbesondere bei Netflix sehen, die Serie ist aber auch auf DVD verfügbar.

  • Marvel’s Agent Carter (USA)

Diese Serie dürften in Deutschland vielleicht noch nicht allzu viele Serienfans auf dem Schirm haben, auch wenn sie Teil des Marvel Franchise ist. Die Hauptfigur ist Peggy Carter, gespielt von Hayley Atwell, die damit ihre Rolle aus den Captain America-Filmen fortführt. Peggy ist eine britische Agentin, die während des zweiten Weltkriegs als Teil der geheimen Regierungsorganisation SSR an der Seite von Captain America und Erfinder Howard Stark gegen die Nazis gekämpft hat. Nach dem Krieg arbeitet Peggy zwar weiterhin für die SSR, doch trotz ihrer Fähigkeiten und Verdienste nehmen ihre männlichen Kollegen sie nicht für voll. Auch privat muss Peggy sich mit den engen gesellschaftlichen Konventionen arrangieren, die für eine alleinstehende Frau im New York der Nachkriegszeit gelten. Als Howard Stark in den Verdacht gerät, ein Landesverräter zu sein, ist Peggy gefordert. Unterstützt von Starks Butler Jarvis macht sie sich daran, seine Unschuld zu beweisen, und muss dabei sogar gegen ihre Kollegen von der SSR arbeiten.

Diese Serie macht Spaß. Agent Carter ist spannend und humorvoll erzählt und lebt insbesondere von der Hauptfigur und ihrer großartigen Darstellerin. Peggy ist eine selbstbewusste Frau, die einen Weg gefunden hat, sich charmant gegen den allgegenwärtige Sexismus der Nachkriegszeit zu wehren und die Tatsache, dass sie von Männern regelmäßig unterschätzt wird, zu ihrem Vorteil zu nutzen. Nicht ohne Grund kann nur eine andere Frau Peggy wirklich gefährlich werden: Dottie Underwood, eine russische Agentin und Auftragskillerin, ebenfalls großartig gespielt von Bridget Regan.

Leider ist noch nicht entschieden, ob es nach Staffel 2, die letzte Woche in den USA endete, noch eine weitere Staffel geben wird. Hier ist Daumen drücken angesagt. In Deutschland ist die Serie bisher noch nicht im FreeTV gelaufen, beide Staffeln sind aber u.a. bei iTunes erhältlich.

  • Orphan Black (Kanada)

Auch wenn Orphan Black teilweise sehr düster und brutal, des öfteren verwirrend und außerdem noch nicht ganz klar ist, ob eine meiner Lieblingsfiguren das Finale von Staffel 3 überlebt hat, empfehle ich jedem Serienfan, hier mal reinzuschauen, wenn sie bzw. er es noch nicht getan hat. Das hat vor allem einen Grund: Tatiana Maslany.

Maslany spielt Sarah Manning, eine rebellische junge Frau und Kleinkriminelle, die in ihre Heimatstadt zurückkehrt, um wieder Kontakt mit ihrer Tochter aufzunehmen. Nachdem Sarah am Bahnhof den Selbstmord einer Frau beobachtet hat, die genauso aussah wie sie, erfährt sie, dass sie Teil eines geheimen, weltumspannenden Klonprogramms ist. Nach und nach lernt sie einige ihre „Schwestern“ kennen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Da ist u.a. die Hausfrau und „soccer mom“ Alison, die mit ihrem Mann Donnie ein nur vermeintlich idyllisches Vorstadtleben führt; die Wissenschaftlerin Cosima, die sich in ihre Kollegin Delphine verliebt, ohne zu ahnen, dass Delphine mehr über das Klonprogramm weiß, als sie zugibt; und Helena, die von religiösen Fanatikern zu einer Attentäterin ausgebildet wurde und die anderen Klone töten soll.

Auch Alison, Cosima, Helena und noch einige weitere weibliche Klone werden von Tatiana Maslany gespielt, und zwar so gut, dass man während des Guckens vergisst, dass es ein und dieselbe Schauspielerin ist. So ertappe ich mich regelmäßig dabei, dass ich mich wundere, dass im Vorspann der Serie so wenige Namen genannt werden für so viele Rollen. Dabei sind die unterschiedlichen Figuren nicht eindimensional, sondern vielschichtig und komplex. Dass sie alle gewisse Eigenheiten haben, hilft insbesondere in Szenen, in denen ein Klon einen anderen darstellt, was gar nicht selten vorkommt. Wenn Sarah als Klon Rachel Alison verhört, die allerdings vorgibt, Sarah zu sein, ist es ein Wunder, dass sich die eigenen Gehirnwindungen nicht nachhaltig verknoten.

Orphan Black wird von ZDFneo ausgestrahlt, derzeit läuft die dritte Staffel jeweils dienstags am späten Abend. Ich empfehle jedoch dringend, auf DVD oder VOD zurückzugreifen und statt der Synchron- die Originalversion zu schauen, da nur so die unterschiedlichen Akzente und Sprachbesonderheiten der Klone deutlich werden.

  • The Good Wife (USA)

Auch wenn der Titel etwas anderes vermuten lässt: Die Hauptfigur von The Good Wife, Alicia Florrick, wird hier nicht auf ihre Rolle als gute Ehefrau reduziert, ganz im Gegenteil. Als ihr Mann Peter, ein Bezirksstaatsanwalt, in einen Korruptions- und Sexskandal verwickelt wird und vorübergehend ins Gefängnis kommt, sieht Alicia sich gezwungen, wieder in den Anwaltsberuf einzusteigen, den sie vor Jahren zugunsten ihrer Familie aufgegeben hatte. Eine Chance erhält sie von ihrem Studienfreund Will, der Namenspartner in einer großen Anwaltskanzlei ist. Alicia muss sich plötzlich nicht nur in einem Job zurechtfinden, in dem sie so gut wie keine Erfahrung hat, und sich dabei gegen jüngere Konkurrenten durchsetzen, sondern hat daneben auch noch alle Hände voll zu tun, sich nunmehr allein um ihre Kinder im Teenageralter zu kümmern. Unterstützung erhält sie u.a. durch die etwas undurchsichtige Ermittlerin Kalinda Sharma, mit der sie bald eine enge Freundschaft verbindet, sowie Diane Lockhart, die mit Will zusammen die Geschicke der Kanzlei lenkt und nach und nach zu einer Mentorin für Alicia wird.

The Good Wife ist meines Erachtens eine der am besten geschriebenen Serien, die derzeit im amerikanischen Fernsehen laufen. Dies bezieht sich ausdrücklich und gerade auch auf die Frauenfiguren. Vor allem Alicia macht im Laufe der Zeit – gerade läuft in den USA die 7. und leider letzte Staffel – eine spannende Entwicklung durch, von der unsicheren Anfängerin zur toughen und gewitzten Anwältin, von der betrogenen und verletzten Ehefrau zu selbstbewussten Geliebten. Dabei entwickelt sie jedoch eine gewisse Härte und agiert nicht immer unbedingt sympathisch. Auch Kalinda und Diane haben einige Ecken und Kanten, die sie als Figuren extrem interessant und spannend machen. Hinzu kommt, dass alle drei Figuren von ihren jeweiligen Darstellerinnen – Julianna Margulies, Archie Panjabi und Christine Baranski – so hervorragend gespielt werden, dass es einfach Spaß macht, ihnen dabei zuzusehen. Kein Wunder, dass alle drei regelmäßig auf der Nominierungsliste für große Fernsehpreise zu finden sind.

Leider ist The Good Wife beim deutschen Fernsehpublikum nicht so gut angekommen, wie ich es mir für diese hervorragende Serie erhofft hätte. Immerhin läuft bei sixx im April die 6. Staffel an. Wer erst noch einsteigen möchte, kann dies u.a. bei Amazon Prime tun, wo die ersten vier Staffel verfügbar sind.

Natürlich gibt es noch mehr tolle Serien mit spannenden Frauenfiguren. Ich freue mich über weitere Empfehlungen in den Kommentaren.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.